Transcending Tactility
Personal · Januar 2021
Case Study
Herausforderung
Eine kinetische Skulptur als autonomen Organismus konzipieren, der mit sich selbst in Austausch steht — mit begrenztem Budget und recycelten Materialien.
Ansatz
Arduino-basierte Sensorik mit Stepper-Motor und Wassertiefe-Sensor, Klangsynthese über Pure Data und Dark Energy Synthesizer, Upcycling-Materialien für den Bau.
Ergebnis
Eine ausstellungsfähige Rauminstallation, präsentiert an drei Orten (Moritzkirche, S-Planetarium, Wolfzahnau), als Bachelorarbeit im Studiengang Interaktive Medien B.A. eingereicht.
Wie fühlt sich Kunst an, wenn sie zurückfühlt? 'Transcending Tactility' ist eine kinetische Rauminstallation, die Embodiment und körperliche Wahrnehmung ins Zentrum stellt. Die Skulptur ist kein passives Objekt — sie ist ein autonomer Organismus, der mit sich selbst in Austausch steht. Stepper-Motoren bewegen, Sensoren messen, Klangsynthese antwortet. Ein kybernetischer Kreislauf, gebaut aus recycelten Materialien, der die Grenze zwischen Betrachter und Werk auflöst.
Das Konzept fußt auf Autopoiesis — der Idee sich selbst erzeugender Systeme nach Maturana und Varela. Die Installation funktioniert als kybernetische Rückkopplungsschleife: Bewegung erzeugt Daten, Daten erzeugen Klang, Klang beeinflusst Bewegung. Gebaut überwiegend aus Upcycling-Materialien, vereint das Werk ökologisches Bewusstsein mit künstlerischem Anspruch.
Pure Data mit Automatonism-Patches und ein Dark Energy Synthesizer erzeugen die Klanglandschaft. Ein Arduino steuert Stepper-Motor und Wassertiefe-Sensor — ungewöhnliche Komponenten, die der Installation ihren einzigartigen Charakter geben. Processing-Sketches verbinden die digitale mit der physischen Ebene.
Theoretisch verortet sich die Arbeit im Feld des Embodiment — der Überzeugung, dass Wahrnehmung nicht nur im Kopf stattfindet, sondern im ganzen Körper. Maturana und Varela liefern mit ihrer Theorie der Autopoiesis das Fundament: lebende Systeme erzeugen sich selbst. Übertragen auf kinetische Skulptur bedeutet das ein Werk, das nicht repräsentiert, sondern prozessiert. In der Tradition von Philip Beesley und den kinetischen Arbeiten des Lab30 entsteht eine Installation, die sich ständig wandelt.
Als Ausstellungsorte wurden die Moritzkirche Augsburg, das S-Planetarium und die Wolfzahnau erprobt — drei Räume mit völlig unterschiedlicher Akustik und Atmosphäre. Zielveranstaltungen für die Arbeit: Lab30 in Augsburg, ARS Electronica in Linz und das TodayArt Festival in Den Haag. Orte, an denen Medienkunst nicht erklärt werden muss, sondern erlebt wird.